• Nur weit weg von Papa

    by  • 2. Februar 2015 • Dein Studium • 0 Comments

    Die Nachricht, dass der aus Reutlingen stammende Moderator des ZDF “heute journal” Claus Kleber an der Uni Tübingen eine Honorarprofessur erhält und künftig Medienwissenschaftlern Seminare gibt, hat in der vergangenen Woche Wellen geschlagen. Im Käpsele berichtete Kleber im April 2013 aus seiner Zeit als Jura-Student in Tübingen. Hier ist das Interview zum Noch-mal-Lesen.

    Herr Kleber, Sie wurden in Reutlingen geboren. Welche Beziehungen bestehen noch zu Ihrer Heimat? Oder verstehen Sie, der ja früh aus Reutlingen wegzog, unter Heimat etwas anderes?

    Oh nein. Das ist Heimat. Obwohl ich eher zufällig in Reutlingen geboren wurde und dann  immer nur besuchsweise dort war, bei meinen Großeltern. Das änderte sich dann im Studium in Tübingen. Das habe ich ja sehr ausführlich genossen, 14 Semester lang. Tatsächlich war ich da meistens als rasender Reporter für das SWF-Studio – damals hieß der SWR noch so – im Ländle unterwegs. Da ist es meine Heimat geworden. Eine andere habe ich nicht. Wenn ich von der Autobahn abfahre und bei schönem Wetter am Horizont die Alb erscheint, klopft das Herz höher.

    Was hat Sie nach dem Abitur in Köln zum Jura-Studium nach Tübingen geführt?

    Mein Vater hatte immer gesagt: mir ist egal, wo Du studierst, aber es muss mindestens vier Autostunden von zuhause weg sein. Das war damals halt in der Nähe von Köln. Dabei hatte ich ein Super-Verhältnis mit meinen Eltern. Aber er meinte halt, dass es Zeit wird, sich von zuhause abzunabeln. Das war im Grunde sehr aufopferungsvoll. Er hatte selbst in Tübingen studiert und immer begeistert davon erzählt. Drum habe ich mir das mal aus der Nähe angesehen, an einem herrlichen Sommerwochenende, und war sofort Feuer und Flamme.

    Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit dort? Gab es einen Menschen, eine Lehrveranstaltung oder eine Erfahrung, die Sie besonders >geprägt hat?

    Viele, sehr viele. Das war eine andere – und ich finde: schönere – Zeit. Viel freier als heute. Ich habe diese Freiheit ganz besonders genossen. Niemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Umso mehr, als ich als Reporter mein eigenes Geld verdienen konnte. Und dann die großen Namen hören: Bachof, Dürig, Eser, Gernhuber, Baumann, sie waren ja alle da. Und nicht nur die Juristen. Theodor Eschenburg, Walter Jens, Ernst Bloch. Dass man da einfach reinspazieren, sich hinsetzen und zuhören konnte, das war unglaublich. Und bis heute bin ich meinem Doktorvater, dem großen Thomas Oppermann verbunden und dankbar. Ein wunderbarer akademischer Lehrer. Geduldig und verständnisvoll, aber dann doch auch einer, der einem Richtung gibt.

    Was war zu Ihrer Zeit der “Place to be” in Tübingen? Wo traf man sich abends, nachts, am Wochenende?

    Das war bei mir ein bisschen speziell, weil ich ja Verbindungsstudent wurde bei den Tübinger Guestfalen. Bis heute ist das herrliche Haus auf dem Österberg ein zweites Zuhause für mich. Natürlich haben wir dort heftig gefeiert. Aber nicht nur. Es war auch ein Platz, an dem wir uns über die Fragen der Zeit die Köpfe heiß redeten. Das war – nach ’68 – eine sehr politische Zeit. Und wer denkt, dass Verbindungsstudenten ein reaktionärer Haufen sind, hätte da was lernen können. Es war –  und ist übrigens bis heute so – dass man dort ganz selbstverständlich mit Studenten aller Fachrichtungen zusammenkommt. Eine Super-Hilfe gegen das Fachidiotentum, das ja leider in den engen Studiengängen heute immer eine Gefahr ist. Wenn dann Juristen, Theologen, Mediziner und alle möglichen anderen ihre Sicht dazugeben, wenn zum Beispiel über den Abtreibungsparagraphen 218 StGB geredet wird, ein ganz heißes Thema damals, dann ist das eben nicht mehr Schmalspur.

    Sie haben schon vor Ihrem Studium und auch währenddessen journalistisch gearbeitet, waren nach dem Staatsexamen aber eine Zeit lang als Anwalt tätig. Was gab letztlich den Ausschlag für die Nachrichtenwelt?

    Die Neugier. Meine Familie war nicht in der Lage, große Reisen in die Welt zu unternehmen. Und ich habe immer davon geträumt, das alles eines Tages mal zu sehen. Deshalb brauchte ich einen Job, in dem man fürs Reisen und Menschen-kennenlernen bezahlt wird. Ist super gelaufen (lacht).

    Foto: ZDF, Montage Kerstin Bänsch

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