• Mister Santos’ dickes, dickes Leben

    by  • 16. Juni 2014 • Dein Studium • 0 Comments

    Viele Songs zur laufenden Fußball-Weltmeisterschaft haben zuletzt unsere Ohren malträtiert. Zu den wenigen, die nicht nur im Vollsuff erträglich sind, gehört Das dicke, dicke Ding von Mister Santos alias Ju. Für unsere September-Ausgabe im vergangenen Jahr hat uns der Ex-Rapper der Massiven Töne und Ex-Student der Hochschule der Medien ein Interview gegeben.

    Ju, in einem Songtext der Massiven Töne heißt eine Zeile „Einmal Star und zurück“ – beschreibt das auch dein Leben?

    Es gibt viele Textzeilen, die ich mir heute anhöre und von denen ich denke, dass es im Nachhinein so passiert ist. Manchmal fragt man sich, ob man mit Songtexten die Zukunft vorherbestimmen kann. Aber die Zeile selbst haben wir nicht über uns geschrieben. Damals schwappte die erste Casting-Welle nach Deutschland. Bands wie wir kamen aus dem Underground und haben sich etwas aufgebaut. Deshalb haben wir die gecasteten Popstars nicht anerkannt. Aus heutiger Perspektive passt diese Textzeile natürlich auch auf uns – aber das war nicht so gedacht.

    Ihr wart deutschlandweit bekannt, seid bei MTV und Viva hoch- und runtergelaufen, wart in den Charts – hat das dein Leben verändert?

    Klar hat es das. Selbstverständlich. In vielerlei Hinsicht. Das Wichtigste ist, dass man etwas erreichen kann, wenn man selbst daran glaubt. Wir haben damals an das Rapding geglaubt und es geschafft, das so zu transportieren, dass die Leute uns gefeiert haben. Das hat uns die Bestätigung gegeben weiterzumachen. Aber auch die Chance zu haben, rumzukommen, hat mich verändert. Wir waren ja nicht nur in Deutschland unterwegs, sondern dank des Goethe-Instituts beispielsweise auch in China, Korea und Südafrika. So konnte ich selbst sehen, was auf der Welt passiert. Dadurch lebst du nicht einfach nur in deinem Dorf.

    War für dich immer klar, dass du nach der Musikkarriere studieren gehen möchtest?

    Ja, ich wollte mir auf jeden Fall die Möglichkeit offen halten. Deshalb habe ich mich 1996 dazu entschieden, noch mein Abi zu machen. In dem Jahr ist die erste Platte „Kopfnicker“ erschienen, und ich hatte mich bewusst für die Musik entschieden. Aber ich habe zu mir gesagt: Du machst jetzt dein Abi, ganz egal wie schlecht es wird. Und es wurde sehr schlecht. Ich war quasi nur in der Schule, um die Zeit abzusitzen. Das Wochenende waren wir meistens unterwegs, und dann saß ich völlig übermüdet im Unterricht. Aber ich wollte mir dieses Türchen offen lassen.

    Warum hast du dich für die HdM entschieden?

    (Lacht) Es war die einzige Hochschule, die meine Bewerbung noch rechtzeitig bekommen hat. Ich hatte mir damals eine dreimonatige Auszeit genommen und bin nach Portugal zu meiner Familie gegangen. Da habe ich überlegt, was ich eigentlich machen möchte. Interessiert hat mich Architektur, das Bauingenieurwesen, Medizin oder Medien im weiteren Sinne. Also habe ich mich vom Strand aus mit einer Postkarte beworben. Die HdM war die einzige Hochschule, von der ich eine Antwort bekommen habe.

    Was hat dich am Studium der Medienwirtschaft interessiert?

    Ich hatte ja jahrelang mit Medien zu tun. Da war es irgendwie naheliegend, dass ich mich damit beschäftige. Ich wollte einen Gesamtüberblick bekommen. Und so war es dann auch im Studium. Ich habe viel Neues dazugelernt, aber einiges auch schon gewusst. Ich hatte allerdings viele Baustellen in dieser Zeit. Meine Zwillinge wurden gerade geboren, die Musik und das Studium. Der Nachteil war, dass ich mich nie so hundertprozentig auf eine Sache konzentrieren konnte. Ich habe deshalb auch länger studiert. Aber so habe ich viel mehr Kollegen kennenlernen können, das hatte auch seine positiven Seiten.

    Du warst 33 Jahre alt, als du dein Studium begonnen hast. War es ein Nachteil, später studieren zu gehen?

    Mir war bewusst, dass es schwer sein würde, in den Lernprozess reinzukommen. Aber das erste Jahr ist dann super gelaufen. Also nein, es war kein Nachteil. Vor allem auch deshalb, weil ich glaube, dass ich durch die Musik jung geblieben bin und auch noch jung aussehe. Deshalb bin ich gar nicht so aufgefallen. Es war eher inspirierend zu sehen, wie die jungen Studenten an der Uni Gas gegeben haben. Natürlich hatte ich mein Studentenleben vermutlich anders ausgelebt, wenn ich jünger gewesen wäre und nicht schon so viel gefeiert hätte. Ich musste nicht mehr auf irgendwelchen Studentenpartys auf dem Klo kotzen.

    Viele deiner Mitstudenten haben dich sicher noch als Rapper gekannt. War das am Anfang schwierig?

    Nein, gar nicht. Im Gegenteil. Die sind damit ganz locker umgegangen. Sie sind auf mich zugekommen und haben direkt gefragt. Und dass ich Ju von den Massiven bin, hat dann ziemlich schnell die Runde gemacht – auch unter den Professoren. Es war sogar eher cool, weil die Leute mir geholfen haben. Außerdem fanden sie es cool, dass ich mich trotz Karriere und Familie noch an die Uni getraut habe.

    Hat dir der Bühnenerfolg im Studium weitergeholfen?

    Schwere Frage. Der Bühnenerfolg selbst sicher nicht. Ich hatte beispielsweise immer Schwierigkeiten, wenn ich eine Präsentation halten musste. Das war nie meine Stärke. Auch wenn ich mal vor Tausenden von Leuten auf der Bühne stand, das war immer schwierig. Vielleicht liegt es daran, dass es immer schwieriger ist, vor einer kleinen Gruppe von Menschen zu stehen als vor einer großen.

    Rapstar, Student oder Arbeitnehmer, welcher Job macht am meisten Spaß?

    Den meisten Spaß hast du dann, wenn du dir erlauben kannst, das zu machen, was dir auch Spaß macht. Ich habe jetzt nach dem Studium bei einer Agentur als Texter angefangen. Das war der beste Einstieg ins Berufsleben für mich. Ich konnte da kreativ sein. Das macht mir Spaß, und da sehe ich auch eindeutig meine Stärken. Ich habe nach dem Studium lange überlegt, was ich machen soll. Aber am Ende hat sich dann alles ergeben. Am liebsten würde ich natürlich Musik machen. Aber das ist heutzutage nicht mehr so einfach – man hat eine andere Perspektive auf das Leben, andere Prioritäten und eine andere Verantwortung. Ich weiß auch, dass man davon nicht leben kann. Aber eins ist klar, ich werde immer Musik machen. Perfekt wäre natürlich, wenn ich alles machen könnte.

    Was würdest du den heutigen Studenten mit auf den Weg geben?

    Die jungen Studenten müssen sich viel mehr zutrauen. Sie haben viel Know-how. Macht was daraus. Traut euch das zu machen, wozu ihr Bock habt. Das kann funktionieren oder auch nicht. Aber ganz egal wie es läuft, man zieht seine Erfahrungen daraus. Das ist das, was zählt. Ich bewundere es, wenn Leute sich trauen, etwas Neues zu machen.

    Foto: Youtube

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