• Ein Motto, sieben Länder, neun Redaktionen

    by  • 12. Februar 2013 • Dein Studium • 0 Comments

    Im Studio bei Micro-Europa in Tübingen

    Uni Tübingen. Aussagekräftige Statements, gewitzte Moderationen, gute Originaltöne. Das sind Zutaten eines gelungenen Radiobeitrags, der bei Hörern Interesse und Aufmerksamkeit weckt. Produziert werden solche Beiträge in Tübingen von studentischen Redakteuren im Radioprojekt Micro-Europa – einem Netzwerk europäischer Uniradios aus sieben Ländern.

    In Belgien, Frankreich, England, Spanien, Italien und Rumänien sitzen neben Deutschland Redaktionen, die an Micro-Europa teilnehmen. Neun sind es an der Zahl. Gegründet wurde der Zusammenschluss 2007, finanziert hauptsächlich aus Mitteln der EU. Jeder Monat hat ein anderes Thema, festgelegt wird das in der Hauptredaktion in Brüssel aus Themenvorschläge aller Redaktionen. Alle Länder produzieren hierzu Beiträge, möglichst mit lokalem Bezug. Mal geht es um Korruption und Lobbying, dann um Ikonen, Mythen und Legenden. Ein anderes Mal um das Thema “Hauptsache billig”.

    Repräsentation eines gemeinsamen Europas

    Die Themen sind vielseitig, innovativ, spannend und verlangen Kreativität. Bei Micro-Europa entstehen so europäische Geschichten mit unterschiedlichen Blickwinkeln, die ein gemeinsames Europa repräsentieren. Alle Redaktionen laden ihre Beiträge in einen Pool. Die anderen Redaktionen haben darauf Zugriff und können diese dann für ihre eigenen Sendungen übersetzen, „neu” produzieren – also Originaltöne mit Voiceover versehen – Moderationen einsprechen und anschließend verwenden.

    Das Tübinger Micro-Europa ist unabhängig vom Uniradio. Das Projekt läuft am Lehrstuhl für Medienanalyse und Medienproduktion des Instituts für Medienwissenschaft. Mitmachen können jedoch alle Studenten mit Radio-Vorkenntnissen. Zurzeit besteht die Redaktion aus 15 studentischen Redaktionsmitgliedern, sowie ständigen Mitarbeitern, die sich um die Organisation kümmern. Ulrich Hägele, Dozent am Institut für Medienwissenschaft, betreut die Redakteure und ist für Konzeption und Inhalte der monatlichen sechzigminütigen Sendung verantwortlich.

    Moderieren, produzieren, cutten

    Dennoch sind alle Redakteure gefragt: Viele Ideen werden diskutiert, das Projekt ist eine Plattform für Neues, Experimentelles, vielleicht auch nie Dagewesenes. Die Tübinger sind das einzige Studio im Netzwerk, das eine monatliche Sendung mit deutschen und internationalen Beiträgen zum vorgegebenen Thema produziert. Die Studenten schreiben ihre Moderationen, takten die Sendung, recherchieren Musik. Wert legen sie auf Beiträge abseits des Mainstreams, stattdessen suchen sie neue Klänge für die Ohren. Zurzeit arbeitet die Redaktion an zukünftigen Konzepten und Formaten. Ziel: Mehr Interaktivität und Aktionen, bei denen sich die Hörer beteiligen können.

    Produziert wird unter Livebedingungen, das bedeutet, dass Versprecher und kleine Pannen nicht herausgeschnitten werden. Pia Terstappen, seit 2010 Redaktionsmitglied und jetzt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sieht im Vergleich zu Beiträgen anderer Stationen einen großen Unterschied: „Für mich ist es erstaunlich, wie klischeehaft korrekt wir Deutschen bei der Produktion unserer Beiträge und unseren Sendungen sind. Hört man sich die Beiträge anderer Länder an, sind große Patzer oder Hänger ganz normal. Ich denke wir haben hier einfach eine andere Radio-Mentalität.“

    Foto: Pia Terstappen

    Hinterlasse eine Antwort

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *