• Schlau im Schlaf

    by  • 17. Januar 2013 • Uncategorized • 0 Comments

    Uni Tübingen. Die Prüfungszeit steht vor der Tür. Nachtschichten und Pauken bis zur letzten Minute, davon können in der heißen Phase viele Studenten ein Lied singen. Dennoch ist ausreichend Schlaf wichtig, denn das Gehirn leistet nachts Erstaunliches: Schlafen macht schlau.

    Jeder Mensch schläft ein Drittel seines Lebens. Schlafen ist erholsam, der Stress des Tages wird vergessen und man kommt zur Ruhe. Doch nicht das Gehirn, es arbeitet weiter. „Während wir vermeintlich abschalten, wird im Schlaf das Gedächtnis gebildet“, sagt Jan Born, Schlafforscher vom Werner-Reichardt-Centre for Integrative Neuroscience (CIN) der Universität Tübingen, der seit Jahren die neuronalen Prozesse untersucht. Der ein oder andere hat die Erfahrung sicherlich schon gemacht: Man wacht morgens auf und kann sich an Lernstoff, der am Abend noch nicht saß, plötzlich erinnern.

    Klug in der Tiefschlafphase

    Unentbehrlich für unser Erinnerungsvermögen ist der Hippocampus, am unteren Rand der Hirnrinde. Hier werden die am Tag gesammelten Eindrücke und Informationen zunächst zwischengespeichert. Da jedoch die Kapazität begrenzt ist, müssen die Erinnerungen in den Cortex, den Sitz des Langzeitgedächtnisses, überführt werden. „Damit frisch Gelerntes aus dem temporären Speicher des Gehirns ins Langzeitgedächtnis überspielt werden kann, muss es umorganisiert werden“, erklärt Born. Hierbei werden neue Inhalte eingeordnet und mit vorhandenen Schemata verknüpft.

    Informationen sind dadurch besser und dauerhaft abrufbar. Diese Prozesse finden während der Tiefschlafphase statt, in der wir am wenigsten aktiv denken. „Das Gehirn extrahiert aus den tagsüber gesammelten Informationen“, sagt Born, man wird im Schlaf also klüger. Wahrscheinlich, so vermutet der Forscher, liege das daran, dass das Gehirn nicht noch gleichzeitig aktuellen Input von Sinnesreizen verarbeiten muss und daher die Übertragung ungestört ablaufen kann.

    Schlafen hilft beim logischen Denken

    In vielen Experimenten in Schlaflabors sind Forscher dem Rätsel des Schlafens bereits auf den Grund gegangen. Das Team um Jan Born legte seinen Probanden eine Zahlenreihe vor, die ergänzt werden sollte und zunächst wie eine reine Ausdaueraufgabe aussah. Das System, das sich dahinter verbarg, erkannte kaum ein Proband auf Anhieb. Schliefen die Versuchspersonen jedoch eine Nacht darüber, kamen viele auf die Regel. Probanden, die nicht schlafen durften, erkannten den Trick seltener.

    Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass Schlaf zudem kreative Assoziationen weckt. Studenten sollten sich acht Listen mit je zwölf in einem Kontext stehenden Begriffen merken. Zwölf Stunden später sollten sie möglichst viele davon wiedergeben. Eine Gruppe lernte die Worte morgens, eine andere abends, sie hatte also Gelegenheit zu schlafen. Das Ergebnis zeigte, dass die Schlafgruppe weit mehr Begriffe behalten hatte. Zudem hatten sie aber zusätzlich zwei- bis dreimal so viele Worte aufgeschrieben, die nicht auf der Liste standen, an die sie sich aber zu erinnern glaubten.

    Der späte Vogel fängt den Wurm

    Die Begriffe ergänzten die gelernten thematisch. Die Erkenntnis: Erinnerungen werden in einer Art verändert, die das Entdecken von neuen und sinnvollen Zusammenhängen fördert. Schlafen hilft also nicht nur beim Auswendiglernen, sondern auch beim kreativen Denken. Andere Studien zeigen, dass zum Beispiel Sprachenlernen ohne Schlaf nicht möglich ist.

    Für den Alltag sind aus den Studien einige Tipps ableitbar. So ist es sinnvoll das prozedurale Gedächtnis, vor allem wichtig für motorische Fähigkeiten, abends noch einmal anzuregen. Beispielsweise kann Klavierüben am Abend Wunder wirken. Vokabeln sollten morgens gelernt und abends wiederholt werden. Am Vormittag ist das Gedächtnis aufnahmefähiger. Und: „Was kurz vor der Schlafphase aktiviert wird, hat bessere Chancen, während des Schlafens nochmals verarbeitet zu werden“, sagt Born.

    Foto: Rike/pixelio.de

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