• Studenten essen Weggeworfenes

    by  • 29. November 2012 • Dein Leben • 0 Comments

    Uni Hohenheim. Eine Tafel für rund 50 Leute ist mitten im Foyer des Biologiegebäudes der Universität Hohenheim aufgestellt. Geschäftiges Treiben herrscht um die Mittagszeit ohnehin schon vor dem Hörsaal. Doch an diesem Mittwoch drängen sich die Studenten nicht Richtung Mensa. Essen gibt es im Foyer – kostenlos.

    Die Gruppe Fresh (Food Revitalization and Eco-gastronomic Society), in der sich Studenten für einen verantwortlicheren Umgang mit Nahrungsmitteln einsetzen, hat zum Festmahl eingeladen. Das Besondere an der reich gedeckten Tafel: Alle Lebensmittel wären im Müll gelandet, hätte das Fresh-Team sie nicht gerettet. „Wir haben bei Bauernhöfen angefragt, ob wir Gemüse bekommen könnten, das einwandfrei ist, aber wegen kleiner Schönheitsfehler nicht mehr in den Handel kommt“, sagt Steffen Schweizer, 23-jähriger Student der Agrarwissenschaften.

    Die Lebensmittel sind eigentlich einwandfrei

    Am Projekt beteiligt haben sich nur zwei Höfe. Der universitätseigene Meiereihof und der Hof am Eichenhain aus Stuttgart-Riedenberg. „Trotzdem haben wir 100 Kilo Gemüse gesammelt“, sagt Schweizer. Und die erbeuteten Schätze sahen erschreckend gewöhnlich aus. Die Kartoffeln verarbeiten die Studenteten nicht, sondern boten sie als Pellkartoffeln an, damit jeder sehen kann, dass ihnen eigentlich nichts fehlt.

    Als Beilage bekamen die Studenten von einer Bäckerei Brote, die in den vorangegangenen Tagen nicht über den Ladentisch gingen. Zwei Nachmittage bereiteten die Studenten das Essen vor. „Wir haben uns am Montagabend zu einer Schnipsel-Disco getroffen“, sagt Schweizer. „Jeder hat ein paar Flaschen Bier mitgebracht, ein Schneidebrett und ein Messer und wir haben gemeinsam Gemüse geschnitten.“ Karotten sind dabei kiloweise zu Salat geworden – mit Ingwerstückchen verfeinert. „Den Ingwer haben wir aus Containern von Supermärkten, die ihn weggeschmissen haben, obwohl er noch einwandfrei war“, sagt Schweizer.

    Die Tafelplätze sind umkämpft

    Der Karotten-Ingwer-Salat kommt so gut an, dass viele der Essensgäste keinen Platz mehr am Tisch bekommen haben und in einem Kreis auf dem Boden sitzen. Maria Panzer (19) und Yvonne Liegl (21) hatten Glück. Sie sitzen an der großen Tafel und freuen sich über das kostenlose Essen: „Wir hatten nebenan gerade eine Vorlesung und dachten, wir schauen einfach mal vorbei“, sagt Yvonne Liegl. Ihre Kommilitonin Maria ist angetan von der Aktion der Fresh-Gruppe: „Das war wirklich eine gute Idee“, sagt sie.

    „Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie viel Essen unnötig weggeworfen wird, obwohl es noch gut ist“, sagt Schweizer. Im Rahmen der Reihe Greenbug-Lecture sprach zu diesem Zweck auch der Brite Tristram Stuart (Autor des Buches Für die Tonne) über globale Perspektiven im Kampf gegen Nahrungsmittelverschwendung. „Das gemeinsame Essen war ein schöner Abschluss des Projekts, das eine wirklich gute Sache ist“, sagt er.

    Foto: Ignatzi

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