• Lieber reisender Poet als Lehrer

    by  • 30. November 2012 • Dein Leben • 0 Comments

    PH Ludwigsburg. Hanz studiert – offiziell. Germanistik, Theologie und Geschichte auf Lehramt. Aber eigentlich studiert Hanz nicht mehr. „Das Thema Lehrer ist durch“, sagt der 28-Jährige, der zu den besten deutschen Poetry-Slammern gehört. Am morgigen Samstag moderiert er den Slam im Kunstverein Ludwigsburg.

    Im Dezember 2007 wurde ein Bruder zum Überzeugungstäter. Es war in der Rosenau Stuttgart, dem Ort, an dem so mancher Hiesige mit dem Virus des gepflegten Dichtkunst-Wettstreits infiziert wurde. So auch Hanz. „Irgendwann will ich dich da oben auf der Bühne sehen“, sagte dessen Bruder. Einen guten Monat später stand Hanz auf einer Bühne, beim PHoetry sLam in Ludwigsburg. Der Debütant gewann prompt – und, so waren die Gepflogenheiten, moderierte die Veranstaltung im nächsten Semester.

    Rocken zwischen Sylt und Wien

    Heute, knapp fünf Jahre später, blickt Hanz auf bewegte Zeiten zurück. An rund 300 Slams zwischen Sylt und Wien hat er teilgenommen, aus dem anfänglichen Freizeitspaß ist längst Alltag geworden. Er ist Poet, Autor, Workshopleiter und Veranstalter, in Ludwigsburg gemeinsam mit seinem besten Kumpel Alexander Willrich. Als Duo bilden sie das Slam-Team Hanz N‘ Roses.

    An jedem ersten Samstag im Monat, das nächste Mal morgen, laden sie Vertreter der Szene in die Barockstadt ein. Rund 150 bis 200 reisende Slam-Poeten gibt es in Deutschland, sie sehen sich als Teil einer „Slamily“, in der fast jeder jeden mag. Auch bislang slam-unerfahrene Schreibende mit Mut und Spontaneität können den Sprung ins kalte Wasser wagen und sich mit einem Text ins Getümmel stürzen. „Es gibt kein direkteres Konzept, um ein Feedback zu bekommen“, sagt Hanz.

    Das erste Staatsexamen als letztes Ziel

    Bei insgesamt neun Slams in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz ist er Moderator, an der PH, seiner Geburtsstätte, leitet er jedes Semester einen Workshop, deren Teilnehmer sich dann auf der Bühne im Literaturcafé versuchen dürfen. Ebenfalls zweimal im Jahr gibt es Powerpoint-Karaoke mit ihm – die Herausforderung schlechthin für Menschen mit losen Mundwerken.

    Dass er selbst zwar noch an der PH eingeschrieben ist, aber faktisch nicht mehr studiert, ist eine unmittelbare Folge seines Erfolgs. Schon bald nach dem ersten Triumph begann die Reiserei, erst nur nach Konstanz, dann durchs ganze Bundesgebiet. Da blieb fürs Lernen keine Zeit mehr. So ganz verabschiedet hat er sich vom Thema aber nicht. „Das erste Staatsexamen“, sagt er, „möchte ich machen.“

    Es soll nicht alles umsonst gewesen sein.

    Foto: Crosa

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